Aktuelles

Wir berichten über unsere letzten beiden Arbeitseinsätze Ende Dezember 2018 und Mitte Januar 2019.
Die erste Gruppe verließ das weihnachtlich geschmückte Heim am 27.12.18 Richtung Paris/Conakry.
Die Mitreisenden waren: Johannes Borggrefe, Carmen Fromberg, Matthias Koch, Rika Lange als Augenärzte, Norbert Hartmann, Claudia Müller als Allgemeinärzte, Eve Marie Borggrefe als Assistentin im OP und Grundschullehrerin, Magda Hartmann als Krankenschwester, Denise Sandrock als OP-Assistentin, Manuel Schimmer, Matthias Raps, Julian Pfülb als Handwerker. In Paris bekam die Gruppe viel Gelegenheit, sich kennenzulernen. Ein Turbinenschaden bei Air France brachte sie in 6 Stunden Wartezeit näher zusammen.
Das Flugzeug landete in Conakry in den frühen Morgenstunden. Die Reisenden wurden von Djiwo Diallo, der Witwe von Dr. Yango Keita, in Empfang genommen. Unser guter Freund Dr. Yango Keita fehlte, das war am Flughafen deutlich spürbar. Dafür hatten sich fünf Freunde der Familie bereiterklärt, uns in ihren Privatautos ins Dorf zu fahren. Nach einem improvisierten Stehkaffee ging es ohne Pause Richtung Dow-Bodié. Dort war der Empfang herzlich und überwältigend. Allen standen Tränen in den Augen, wir hatten uns seit Yangos Tod nicht mehr gesehen. Angefangen von den Mitarbeitern des Projektes und der Bevölkerung im Dorf bis zu den Offiziellen der Region drückten alle ihren Wunsch nach der Fortführung des Projektes aus.
Beim Rundgang durch das Projekt war in Schule und Gesundheitszentrum alles wohl geordnet und sauber. In der Nähschule gibt es eine neue Schneiderin, eine ehemaligen Schülerin aus Dow-Bodié.
Der Zaun des Dorfes, ein dringendes Anliegen seit geraumer Zeit, war von der gesamten Bevölkerung repariert worden. Das Eingangstor wurde erneuert, der Weg zum Gesundheitszentrum ausgebessert.
Schnell wurde mit dem Auspacken der Kisten und Auffüllen des Jahresbedarfes in allen Magazinen und Schränken begonnen und das Equipment für die Augenoperationen aufgestellt. Nichts fehlte, alles war sorgfältig platziert dank der langjährigen Erfahrung von Djiwo Diallo und Mamadou Keita, dem Bruder von Dr. Keita. Mit Routine starteten dann die Handwerker-Gruppe und die Allgemeinmediziner. Die augenärztliche Gruppe richtete sich im OP und im großen Aufwachraum zum Vor- und Nachuntersuchen ein.
Als Besonderheit wurden diesmal alle Mitarbeiter mit den notwendigen Impfungen versehen. Wir hatten den Impfstoff gut gekühlt mitgebracht. Inzwischen sind es 25 Personen, die wir dank der treuen Spender regelmäßig bezahlen können.
Die wartenden Patienten waren diesmal besonders gut betreut mit Unterstützung einer Gruppe junger Männer, die für ein ordnendes Zahlensystem, für Wasser und Schatten sorgten. Auch nahmen die Frauen von Bodié dieses Engagement auf und brachten Essen für die Wartenden. Die jungen Männer gehören zu einer Organisation namens CADEB (coordination des associations pour le développement de Bodié), die sich der lokalen Weiterentwicklung verpflichtet hat. Alle sind in der Region geboren, arbeiten in den unterschiedlichsten Berufen und Orten. Zu ihren Projekten gehören Aufforstungsprogramme, Imkerei, Unterstützung von Freizeitaktivitäten für die Jugend, wie z.B. Fußballspiele, und vieles mehr. Maria Siani Kemeni, die ältere Tochter des Ehepaares Keita, war eine gute Brücke zwischen den jungen Erwachsenen und unserer Gruppe. Dies half bei der sprachlichen und inhaltlichen Übersetzung.
Eine große Hilfe bei vielen Kontakten zu den offiziellen Vertretern der Region war Eve Marie Borggrefe, die muttersprachlich französisch spricht. Sie ist Grundschullehrerin und hat sich nach anfänglicher Unterstützung ihres Mannes im OP den Lehrern und Schülern gewidmet, ihnen zugehört und Anregungen gegeben. Schnell hatte sie sich im Magazin der Schule orientiert und das fehlende Unterrichtsmaterial gelistet. Der Kontakt zu den Lehrern hat sich rasch sehr gut entwickelt. In den oberen Klassen fiel auf, dass der Anteil der Mädchen stark zurückgegangen ist. Eine frühe Verheiratung sei der Grund dafür. Deshalb wurde ein Elternabend speziell zu diesem Thema organisiert.
Die Abende gehörten oft der konzeptionellen Arbeit mit den Mitarbeitern vor Ort. Es fanden Fortbildungen in der Schule und im Gesundheitszentrum statt.
Die Bibliothek in Bodié ist gut geordnet und sauber, wird - wie in den Jahren zuvor - häufig genutzt. Die Bauarbeiten des Kindergartens/der Vorschule gingen zügig voran. Es wurden neben vielen Reparaturarbeiten auch WCs für die ganz Kleinen dort gebaut. Ebenfalls wurde ein neuer Verbrennungsofen für den anfallenden Abfall vor allem des Gesundheitszentrums errichtet.
Zum Andenken an Dr. Yango Keita fanden Fußballspiele statt, auch Mädchenmannschaften waren dabei. Feierlich wurde die Gedenktafel für Dr. Keita enthüllt. Unter reger Anteilnahme der Bevölkerung, im Beisein von Presse, Fernsehen und vielen offiziellen Vertretern wurden viele Reden gehalten, die teilweise sehr persönlich und bewegend waren. Zu seinem Grab ist es nicht weit, man findet es gegenüber dem Haupteingang des Dorfes nahe der Straße unter großen Bäumen. Er liegt dort im Kreise seiner Familienmitglieder.
Am 15.01.19 startete die 2. Gruppe nach Conakry. Dabei waren: Robert Clauß und Jürgen Schaaf als Installateure, Hans-Peter Geiselhart, Kai Kistner und Sebastian Lange als Chirurgen, Stefan Leinen und Mirja Teschner als Anästhesisten, Conny Kurz als Gynäkologin, Monika Böske als Kinderärztin, Monika Glatzel und Corinna Kistner als OP-Schwestern, Sebastian Kernstock als Intensiv-Pfleger.
Rasch begann die Arbeit. Die OP-Patienten waren so zahlreich, dass eine Auswahl getroffen werden musste und nur die dringendsten von ihnen berücksichtigt werden konnten. Leider fiel das Beatmungsgerät aus, so dass alle Patienten während der Narkose mit der Hand beatmet werden mussten. Dadurch konnten die meisten Struma-Patienten nicht operiert werden, dafür aber umso mehr andere Patienten mit z.B. Leistenhernien. Das führte in der Nachbetreuung zu einem kräftigen Arbeitsanfall, da der Wechsel bei den Patienten hoch war, immer alles neu gerichtet werden musste.
Die gynäkologische und kinderärztliche Sprechstunde waren sehr gut gefüllt, besonders beliebt war diesmal der Besuch der Schüler. Das ist sehr schön, dass sich hier die Angst vor der ärztlichen Untersuchung ganz und gar gelegt hat. Bei einem Besuch des Teams auf dem Sonntagsmarkt war die Bekanntheit unserer Gynäkologin deutlich zu merken, sie wurde oft und herzlich begrüßt.
Da in dieser Gruppe kein Allgemeinarzt dabei war, haben alle zusammengeholfen, die Patienten konnten gut versorgt werden, die Zusammenarbeit war hervorragend.
Jürgen Schaaf war das erste Mal dabei und wurde von Robert Clauß in die Arbeit unter den besonderen Bedingungen in Dow-Bodié eingeführt. Das Afrikavirus hat auch ihn erwischt, wir freuen uns sehr, dass er weiter mitarbeiten will.
Wir konnten beobachten, dass die Schüler täglich den Schulhof von Müll befreiten. Die neuen Tische in der Schulmensa werden von den Schulköchinnen zur Verteilung der Mahlzeiten auf die Teller genutzt, ein Schritt zur verbesserten Hygiene.
Die bereits erwähnte Gruppe CADEB hat neben der organisatorischen Unterstützung auch zwei Klassenräume im Collège in Bodié vollständig renoviert, die in früheren Jahren von unserem Verein gebaut worden waren. Auch ein neues Schild am Dorfeingang von Dow-Bodié, das auf unser Projekt hinweist, wurde feierlich enthüllt. Das Endspiel um den Yango-Keita-Gedächtnis-Pokal konnten wir mit verfolgen. Es gewann die Mannschaft von Dow-Bodié/Bodié.
Beide Gruppen gewannen den Eindruck, dass auch nach dem Tod von Dr. Yango Keita der Wille und das Engagement zur Fortführung des Projektes vorhanden sind. Djiwo Diallo hat in ruhiger Übersicht alle organisatorischen Aufgaben gemeistert. Sie erfährt viel Unterstützung von ihrer Tochter Maria, Freunden und Mitarbeitern. Auch wenn die Erinnerung an ihren Mann manchmal schmerzlich hervorkommt, ist sie doch tapfer und engagiert dabei. Darüber sind wir sehr froh.
Das Projekt begann mit dem Anliegen der Mütter nach Schulbildung für ihre Töchter, wurde intensiv von den Ältesten des Dorfes getragen und wird jetzt zusätzlich durch die jüngeren Männer der Organisation CADEB unterstützt. Wir sind komplett, alle Generationen sind an Bord, Frauen wie Männer.
Inzwischen ist der Kindergarten/die Vorschule fertig, die Kinder werden in Kürze dort einziehen.
Wir freuen uns über weitere Unterstützung und sehen zuversichtlich nach 20 Jahren Projektarbeit in die Zukunft.

Wir wünschen ein frohes Osterfest!